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Eintauchen in die Vergangenheit
Spangenberg – woher kommt dein Name?

Zahlreiche Historiker des 19. Jahrhunderts meinen, dass der Name „Spangenberg“ von den sogenannten „Spangensteinchen“ abzuleiten sei, den großen Mengen im Spangenberger Umland gefundenen Stengelgliedern einer Seelilienart, lat. Encrinus Liliiformis. Schon im 17. Jahrhundert sprach man von den runden „Steinlein“, die das Bildnis einer Spange tragen, wie man sie auf den Schuhen trägt, und die in der Erde, an einem Hügel nahe dem Schloss, gefunden werden. Man beschrieb die Steinlein als zirkelrund, von feiner geometrischer Art mit einer „wunderseltenen“ Zeichnung, die 12 bis 24 Strahlen auf der Oberfläche gleich einem Stern zeigt, alles so gemacht, als seien sie von der Hand eines Künstlers "mit großem Fleiß formieret und zubereitet" worden.

Das Bild von der Spange schwebt auch anderen Chronisten ständig vor, wenn sie über Spangenberg schreiben. Die Spange wird bei ihnen zu einem prägenden Signum, das auch Georg von Landau 1842, Lang, Wenderoth, Rohrbach u. a. 1860, Wilhelm Arnold 1875 und Karl Heßler 1907 immer wieder apostrophieren. Zu bemerken ist dabei, dass am Schlossberg kein Spangensteinchen zu finden ist, da der Schlossberg aus sogenannten unteren Muschelkalkschichten besteht. Auffindbar sind die Versteinerungen lediglich in den unteren Schichten des  sog. oberen Muschelkalks, also mehr am Knorrenberg bei Elbersdorf oder an den Hängen und Rainen des Teichbergs.

Eine andere Version sagt, dass nicht Spangenberg seinen Namen wegen der Spangensteine trägt, sondern dass die Steine ihre Bezeichnung von dem Namen der Stadt haben. So liegen doch Schloss und Stadt Spangenberg gleich einer Klammer in der Gabelung der alten Heer- und Handelsstraßen, die in das Pfieffe- und Essetal eingebettet sind. Noch heute bezeichnet man ja auch noch eine Klammer, die etwas zusammen hält, als Spange. Spangen halten Haare und Kleider zusammen, es gibt auch Spangen in vielen technischen Bereichen, so im Haus-, Fortifikations- und Schiffsbau. Im übertragenen Sinne könnte der Name „Spangenberg“ die Klammerfunktion von Burg und Stadt andeuten, da Burg und Stadt die genannten Heer- und Handelsstraßen nicht nur verklammerten, sondern auch sperren und verriegeln konnten.

So hatte die Stadt Spangenberg mit ihrer Burg die Aufgabe, die uralte Straße, die aus Thüringen über Waldkappel, Spangenberg und Homberg nach dem Main und Rhein führte, zu schützen und gegebenenfalls zu verriegeln und gleichzeitig mit der Straße, die durch das Essetal führte, wie mit einer „Spange“ zusammen zu halten. Die Pfieffetalstraße hieß in früheren Zeiten immer der „alte Weg“, der im hohen Mittelalter ein wichtiger Teil der stark frequentierten Heer- und Handelsstraße (Anm.: Die langen Hessen) gewesen ist. Um den Verkehr auf dieser Straße ständig zu überprüfen und überwachen zu können, sperrte man später diesen Weg und leitete alle Straßenbewegungen durch die Stadt.

So wird auch Martin Luther mit seinem Gefolge 1529 durch die Stadt zum Marburger Religionsgespräch gezogen sein.

Bis zum Jahre 1927 hat der „alte Weg“ als Straße durch das Pfieffetal, fast 700 Jahre lang vom Verkehr gänzlich ausgeschaltet, ein Schattendasein geführt; dann wurde eine neue Talstraße gebaut, die als „Neue Straße“ diesen alten Handelsweg wieder zu Ehren brachte. Von der Straße, die durch das Essetal führte (Anm: wichtige Querverbindung zum Sälzerweg – Salzweg), ist auch nicht unbedingt anzunehmen, dass sie Spangenberg unmittelbar berührt hat. Sie lief sicherlich durch das viel ältere Elbersdorf, um dann später über die Neustadt außerhalb der Stadtmauern in einem Hohlweg zwischen Schloss- und Bromsberg den Anschluss nach Nordosten zu finden. Besonders verstärkte Straßentore in der Neustadt und auch Sperren in dem genannten Hohlweg, der „Höhle“, konnten auch diese Straße unpassierbar machen, so dass Stadt und Schloss Spangenberg diese beiden Straßen wie mit einer Spange zusammen halten und verklammern konnten.

So mag also eher die Version und die Lesart mit der „Spange“ als Verklammerungs- und Verriegelungsobjekt der Stadt zu ihrem Namen verholfen haben.

Auszug aus der Festschrift "675 Jahr Spangenberg" / Autor Kurt Knierim



Das gespaltene Spangenberger Wappen zeigt rechts das halbe Thüringer Rad (abgeleitet vom Mainzer Rad) und links ein von einer Spange zusammen gehaltenes Pflanzenbündel (Ährenbündel). Es handelt sich also um ein z.T. „redendes“ Wappen.