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Stellungnahme des Bürgermeisters


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Mitteilung wegen einer in Spangenberg wohnenden mutmaßlichen rechtsradikalen Person hat Spangenberg und mich als Bürgermeister zutiefst erschüttert. Man weiß nicht mehr was man sagen soll – es hat einem den Boden unter den Füßen weggezogen.

Inhaltlich verweise ich auf die Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Ich möchte aber im Sinne unseres gemeinsamen Demokratieverständnisses und im Interesse des friedlichen Zusammenlebens in unserer Stadt Stellung beziehen.

Wir haben in unserer Stadt in den letzten Jahren ein außerordentliches gemeinschaftliches Netzwerk von ehrenamtlichen Menschen, Stiftungen, Spangensteine e. V., FlüchtlingsAG, Kirche und Stadt aufgebaut um geflüchteten Menschen eine Heimat zu bieten. Insbesondere die Stiftung Himmelsfels hat sich als überregionaler Leuchtturm, weit über unsere Grenzen hinaus, einen hervorragenden Namen im Bereich Integration und Vielfalt erarbeitet. Die Stadt Spangenberg hat dies bei allen Initiativen und Engagements erheblich unterstützt. Hier hat sich so viel entwickelt und trotzdem ist es geschehen.

Der bekanntgewordene Fall ist hoffentlich ein schlimmer Einzelfall und wir wissen nicht, was diesen jungen Menschen motiviert hat und welche Ziele er hatte, aber wir sind vor allem den Ermittlungsbehörden sehr dankbar, hier möglicherweise Schlimmeres verhindert zu haben.

Mit aller Deutlichkeit festzuhalten ist, dass wir Spangenberger uns von jeglicher rechten Hetze, Hass, Gewalt und Rassismus entschieden distanzieren. Wir wollen keine Stadt sein, in der ein solches Denken und Gewaltbereitschaft einen Platz haben.

Dieses Ereignis muss für uns als Bürgerinnen und Bürgern mit Verantwortung für unser Gemeinwesen ein Weckruf sein! Ja, auch in einer kleinen Stadt wie unserer können sich solche wirren Phantasien entwickeln, ohne dass wir es merken.

Aber was können wir machen? Wir müssen genauer hinhören, wo nicht nur Meinungen geäußert, sondern Hass und Gewaltbereitschaft geschürt werden. Ja, es ist manchmal unbequem, aber wir müssen lernen, früher dazwischen zu gehen, früher zu widersprechen, früher Zivilcourage zu haben. Es kommt auf uns alle an. Dazu braucht es mehr Mut und Klarheit – auch im Alltag.

Wir werden nun versuchen einen weiteren bürgerschaftlichen Prozess anzustoßen. Es müssen Konzepte und Strategien entwickelt und
Vereinbarungen über unsere gemeinsamen gesellschaftlichen und demokratischen Werte getroffen werden. Dafür bedarf es aber einer breiten und stabilen bürgerschaftlichen Bewegung.

Ich rufe daher alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich gemeinsam neu auf diesen Weg zu machen.

Ihr
Peter Tigges
Bürgermeister