20 Jahre ARS NATURA

Die Idee und Stiftungsgründung
20 Jahre ARS NATURA –  Milleniums-Idee und Stiftungsgründung

ARS NATURA – Kunst am Wanderweg, besteht seit dem Jahr 2000, wurde somit als Milleniums-Idee  geboren, 2001 wurde die erste Strecke als Rundweg am Heiligenberg fertiggestellt. Im März 2005, als ARS NATURA auf dem Barbarossaweg X8 bereits 70 km Länge erreicht hatte,  ging das Projekt in eine Stiftung über. Hauptstifter und Aufsichtsratsvorsitzender ist Dr. Jörg Kullmann, Geschäftsführer der Firma WIKUS in Spangenberg, im Aufsichtsrat  befinden sich weiterhin Jörg Utech sowie der Bürgermeister der Stadt Spangenberg Peter Tigges. Mehrere Jahre war auch der Landrat des Werra-Meißner-Kreises Stefan Reuß in dem Gremium. Stiftungsvorsitzende und künstlerische Leiter sind Sandrino Sandinista Sander sowie Dr. Karin Lina Adam. Sie sind die Initiatoren und Organisatoren des Projektes, vertreten im Vorstand die Ziele der Stiftungssatzung, treiben den Ausbau der Kunstwanderwege X8 und X3 voran. Zustifter ist Fa. Holzbau Kühlborn. Ein wichtiger  Sponsor wurde Herr Dr. Luhn, der damalige Vorsitzende der Kulturstiftung der Sparkassenversicherung.

Noch heute ist die Kulturstiftung der Sparkassenversicherung Hessen-Thüringen ein kontinuierlicher Sponsor, ebenso die Kreissparkasse und Sparda-Bank vor Ort. Städte und Gemeinden beteiligen sich an der Finanzierung der ARS NATURA-Wege und auch das Land Hessen hat sich über den Europäischen Strukturfonds, Ziel Nr. 2, dann über LEADER/ELER an der Realisierung des umfassenden Projektes beteiligt. Prof. Dr. Joachim Reitner, Geologisches Institut der Universität Göttingen, hat im Kuratorium insbesondere in Fragen der Geologie und Landschaftsökologie eine beratende Funktion übernommen. Tektonik und Architektur der Landschaft sowie ihre geologische Gegenwart und Vergangenheit sind bedeutende Faktoren bei der Umsetzung des Kunstpfad-Projektes.


  • Stiftungszweck
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    Die Stiftung ARS NATURA widmet sich in Zusammenarbeit mit den Kommunen der Errichtung und Pflege von Kunstwerken entlang der Fernwanderwege X8 „Barbarossaweg“ von Korbach zum Kyffhäuser und X3 „Wildbahn“ von Höxter nach Bad Brückenau. Sie installiert die Kunstwerke an den Wanderwegen mit dem Ziel, ein mehrere hundert Kilometer langes Gesamtkunstwerk zu gestalten. Es sind keine lauten Werke, wie sie urbane Kunst häufig bietet und in Anbetracht der vielfältigen Reize auch bieten muss – es sind ökologisch motivierte Arbeiten, die mit ihrem Standort in der Natur verschmelzen, dessen Eigenart und landschaftliche Schönheit unterstützen.

  • Die Kunst-Idee

    Die Themen der einzelnen Abschnitte, inzwischen 19 am X8 sowie 15 am X3, beschäftigen sich wesentlich mit dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Von Naturvölkern kennen wir den Glauben, dass in den Pflanzen und Tieren ihre Ahnen weiter leben, sie gehen deshalb behutsam mit diesen einfach nur anders gewordenen und gewachsenen Geschöpfen der Natur um, dennoch dienen ihnen viele als Nahrung, sie benutzen sie zum Bau von Behausungen usw. Es kann also nur darum gehen, maßvoll und voller Achtung mit den natürlichen Ressourcen und den anderen Lebewesen umzugehen. ARS NATURA will zur ökologischen Reflexion anregen. Herr Schwarze, langjährig renommierter Chef der Kulturredaktion der HNA in Kassel, sprach bei der Eröffnung der Strecke in Fritzlar von einem bildungsorientierten Ansatz von ARS NATURA, den auch der Bergpark Wilhelmshöhe in seiner Entstehung hatte.

    ARS NATURA vertritt eine Kunst-Idee, die besonders für die ländliche Region geeignet ist. Während die Stadt  auf selbstverständliche Weise den musealen Schwerpunkt behalten wird, ist Kunst auf dem Land und im kleinstädtischen Umfeld im Galerieraum Natur besonders gut aufgehoben. Daraus ergibt sich allerdings eine gewisse Verpflichtung, Kunst darzubieten, die ökologisch behutsam zu nennen ist. Die umgebende Natur gebietet dies. Herr Dr. Luhn, seinerzeit Vorsitzender der Kulturstiftung der Sparkassenversicherung Art Regio, sprach in einer seiner Reden einmal vom demokratischen Charakter der ARS NATURA-Kunst im umgebenden Naturraum. Die Natur selbst tritt hier ohnehin selbst als Künstlerin auf. Prof. Reitner versteht sich zudem als Vermittler – als Geologe liest er in den Steinen und berichtet uns von früherem Leben, das in sie eingeschlossen wurde. In Bad Wildungen trug er u.a. einen Meteoriten bei, zwischen Fritzlar und Felsberg  einen polierten Stein mit 160 Mio. Jahre alten Korallen und Muscheln, in Rotenburg 290 Mio. Jahre alten Meeresboden sowie einen 2 Milliarden Jahre alten Findling, im Bereich Hessisch Lichtenau imposante versteinerte Stücke eines vor 30 Mio. Jahren bei Leipzig wachsenden Mammutbaumes, in Treffurt eine Mixtur europäischer Gesteine, beim Grenzmuseum Schifflersgrund gestaltete er aus Tiefen- und Sedimentgesteinen „Breaking Walls“. Auch die Bodenplatten am ARS NATURA-Platz in Spangenberg, der im Rahmen der Stiftungsgründung entstand, hat er mit ausgesucht. Es sind Steine aus verschiedensten Regionen an den ARS NATURA-Wanderwegen.

    Faszination übt auch die frühere Bedeutung der alten Höhenwege aus, es gibt viel zu entdeckende Geschichte am Rande der Fernwege, die von der ehemaligen Goldstadt Korbach zur Königspfalz am Kyffhäuser und von Kloster Corvey bei Höxter in die bayrische Rhön bzw. früher in den Bischofssitz Fulda führten. Handwerker, Kaufleute, Soldaten, Pilger, Klerus und Adel, darunter auch Könige, benutzten diese Wege. Einzutauchen in die Vergangenheit, sich vorzustellen, wie belebt und abenteuerlich diese alten Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen waren, ist auch eine Seite der ARS NATURA-Geschichte. Es scheinen belebte Wege gewesen zu sein, sie verbanden unsere Region mit dem Weltgeschehen, sie vermittelten Weltoffenheit und Weltverbundenheit  –  und Spangenberg, nun Sitz der ARS NATURA-Stiftung, war wohl damals ein Knotenpunkt.

    Die Werke wurden von Künstlern geschaffen, die aus ganz Deutschland, von Hamburg bis Garmisch, von Berlin bis ins Ruhrgebiet, zum Teil auch aus dem europäischen Ausland kommen, auch eine kanadische Künstlerin sowie ein brasilianischer und ein isländischer Künstler aus dem hohen Norden Europas sind dabei. Sie gehen mit den ökologischen, mythischen und historischen Themen reflexiv, abstrahierend, unbefangen, kritisch, experimentell oder spielerisch, eben künstlerisch, um, was dem oben erwähnten Bildungsgehalt auch etwas insgesamt Spielerisches gibt.

  • Vernetzung

    Neben dem Kulturerlebnis des künstlerisch inspirierten Wanderns warten landschaftliche, historische und aktuelle Sehenswürdigkeiten am Wegesrand auf ihre Entdeckung. Der Gedanke der Vernetzung und Assoziation zu einem intensiven Kultur- und Naturerlebnis ist ganz wesentlich. Die Kunst in der Natur unterstreicht die Vorzüge einer Region, indem sie die Wahrnehmung schärft. Die ARS NATURA- Anrainerkommunen können ihre Potenziale miteinbringen: Eine grandiose Aussicht, Waldreichtum, Naturdenkmale,  historische Schlösser und Burgen, Kirchen, Brücken, idyllische Fachwerkstädte mit guter Gastronomie, traditionelles Handwerk, naturbewusste Industrie und Landwirtschaft, Flora und Fauna einer Auenlandschaft oder eines Landschaftsschutzgebietes, Nationalpark-Region, Kurbadstatus, Landesgartenschau und Hessentag als temporäre Ereignisse, die Anbindung an die nordhessische Metropole Kassel, Universitäts-, Museums- und documenta-Stadt… 

    Wichtig erscheint das vernetzte Denken anstelle des partikularen hinsichtlich der Nutzung des Potenzials ARS NATURA, die noch ausbaufähig ist. Vernetzung ist zum Beispiel unsere Zusammenarbeit mit dem NVV, der schon mehrere interessante Artikel zu ARS NATURA-Teilstrecken veröffentlicht hat. Vernetzung ist auch unsere gute Zusammenarbeit mit Hessen-Forst. Als die hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Frau Kühne-Hörmann die Stiftung ARS NATURA 2009 besuchte, wurde  zwischen Hessen-Forst und ARS NATURA ein Rahmenvertrag unterzeichnet, der in der Folgezeit eine produktive Zusammenarbeit ermöglichte. In Söhrewald entstand gemeinsam mit Hessen-Forst die Strecke „Bäume der Zukunft“. Formationen von in unseren Wäldern selten gewordenen Bäumen wurden gepflanzt, begleitet von Söhre-Basaltsteinen. In Rotenburg a.d. Fulda wurde eine ähnliche Pflanzaktion mit Schülern unter Betreuung von Hessen-Forst durchgeführt.

  • Kunst an der Grenze

    Der Fernwanderweg X8 „Barbarossaweg“, der vom hessischen Korbach zum Kyffhäuser in Thüringen führt, ist zum Teil identisch mit dem „Weg der deutschen Einheit“, der Aachen mit Görlitz verbindet. Aufgrund der deutschen Teilung endete der Barbarossaweg bis 1989 bereits in Wanfried; in Treffurt begann die ostdeutsche Wanderroute zum Kyffhäuser. Mit der Wiedervereinigung konnte die frühere Streckenführung, von Röhrda kommend, über den Heldrastein (mit Turm der Einheit) nach Treffurt wieder aufgenommen werden. Zweimal kreuzt der Barbarossaweg die frühere innerdeutsche Grenze. Am Kreutzer-Berg ist der breite Todesstreifen, heute Grünes Band, noch heute im Gelände gut erkennbar. Während manche Künstlerinnen und Künstler mit ihren Werken auf die politische Wiedervereinigung mit ihren Folgen für Land und Leute eingehen, zeigen andere ihre Faszination in Anbetracht der Schönheit der Landschaft in den Naturschutzgebieten und thematisieren die Vereinigung des Menschen mit der Natur.

    Mit dem von Landtagsvizepräsident Lothar Quanz im Jahr 2010 initiierten und dem Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V. getragenen Projekt "Kunst an der Grenze" wurden im Zeitraum von 2012 bis 2014, als sich das Ende der deutschen Teilung zum 25. Mal jährte, sieben ARS NATURA Exterior-Werke an der ehemaligen innerdeutschen Grenze errichtet. Grenzerfahrungen während der Zeit der deutschen Teilung, aber auch die „grenzenlose“ Freude über die Öffnung der Grenze und Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas sollen nicht in Vergessenheit geraten, vielmehr zur Reflexion und Auseinandersetzung anregen, um in die Zukunft zu wirken. Die sieben Standorte befinden sich im Werra-Meißner-Kreis in den Gemarkungen der grenznahen Kommunen Neu-Eichenberg , Witzenhausen-Werleshausen, Bad Sooden-Allendorf –  Grenzmuseum Schifflersgrund, Meinhard-Braunrod, Wanfried, Ringgau-Netra sowie Herleshausen.

  • Junge Leute gestalten die ARS NATURA-Wege mit

    Viele der Werke im Grenzgebiet von Hessen und Thüringen unter dem thematischen Schwerpunkt „Wiedervereinigung“ wurden von Nachwuchskünstlern und -künstlerinnen geschaffen, Studierenden der Hochschule für Wissenschaft und Kunst in Hildesheim unter Leitung von Prof. Hans Lamb. Es ist sehr erfreulich, dass gerade junge zukunftsorientierte Menschen diese Werke gefertigt haben, für die das vereinigte Deutschland eine Selbstverständlichkeit und die Teilung längst kaum noch vorstellbare Geschichte ist. Ein Kunstwerk an der Werrabrücke in Treffurt ist der seit 1990 bestehenden Partnerstadt der historisch verbundenen Städte Treffurt und Spangenberg gewidmet.

    Eine besondere Zusammenarbeit ergab sich auch für die Strecke Mühlhausen 2017/18. Innerhalb eines Skulpturen-Workshops des Projektes „FreedomBus – mobiles Labor für Kultur und Interdisziplinäre Bildung“ unter Leitung von Frau Prof. Anna Bulanda-Pantalacci im Rahmen des Cross Border Network of History and Arts an der Hochschule Trier entstanden sieben von Dr. Jörg Kullmann gesponserte Werke. Ein Professor und zwei Assistenten aus dem Bereich Bildhauerei der Kunstakademie Krakau  – Prof. Jerzy Nowakowski, Dr. hab. Slawomir Biernat, Dr. hab. Bartłomiej Struzik, Jan Maitejko Academy of Fine Arts, Cracow und ein Fachlehrer für Metallplastik in Trier, Bernd Theis –  betreuten zehn Studenten aus Georgien, Polen und Deutschland sowie zwei Auszubildende bei der Herstellung der Metallobjekte zur kritischen Frage „Frieden in Europa?“.

    2012 wurde eine intensive Zusammenarbeit mit „Idee und Form“ als Abzweig von ARS NATURA ins Leben gerufen, welcher in Anbindung an die Universität Kassel, Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, die Kreation innovativer künstlerisch-architektonischer Entwürfe realisiert. Es handelt sich um einen alljährlich stattfindenden studentischen Wettbewerb, der von Igor Vrana, Dipl. Ing., und Janosch Nowak , Dipl. Ing., Lehrbeauftragte an der Universität Kassel und Mitarbeiter sowie potentielle Nachfolger in der ARS NATURA-Stiftung, sowie Frau Prof. Dipl. Ing. Brigitte Häntsch betreut wird. Es entstehen den Weg begleitende Arbeiten bzw. Entwürfe von Studierenden für innovative Aussichtsplattformen und Untersteller, Info-Stationen, kreative Fitness- und Entspannungselemente, Bänke etc. Die Siegerentwürfe wurden und werden an den ARS NATURA-Wanderrouten umgesetzt. – Indem junge europäische Nachwuchskünstler, -architekten, -gestalter am ARS NATURA-Projekt mitarbeiten, kann sich eine Vernetzung ergeben, die nachhaltig zur Stärkung des Europa-Gedankens beiträgt.

  • Spangenberg als Stiftungssitz von ARS NATURA

    Spangenberg liegt auf der Kreuzung der beiden Fernwanderwege X8 und X3, ist Stiftungssitz und hat daher ein besonders ausgeprägtes Kunstwandernetz. Mehr dazu unter „Wandern“ und „Kunst und Kultur“ auf der Website von Spangenberg sowie auf der Homepage www.ars-natura-stiftung.de.

    Sandrino Sandinista Sander, Dr. Karin Lina Adam,
    Stiftung ARS NATURA, Blaubach 5, 34286 Spangenberg